Die Anlage mit 12 MW Feuerungswärme sollte auf ein 3,2 ha großes Grundstück in einem Industriegebiet von Südlohn nahe der Wohnbeabauung angesiedelt werden. 165.000 Tonnen separierte Gülle, also Güllefeststoffe und 20.000 Tonnen Rohgülle sowie 20.000 Tonnen Zwischenfrüchte wären im Jahr als Substrate zum Betrieb der Anlage erforderlich gewesen. Allein für die Zwischenfrüchte hätte der Flächenbedarf ca. 700 ha. betragen.
Laut Jürgen Koppetsch von der GKE Consult GmbH wäre eine Menge von durchschnittlich 3,5 - 4 l Abwasser je Sekunde in den Trimbach eingeleitet worden. Bei durchgehendem Betrieb der Anlage wäre dies hochgerechnet auf 1 Jahr eine Menge von 110.000 m³ - 125.000 m³. Die eingeleitete Menge von bis zu 14,4 m³/Stunde übersteigt die genhemigte Menge der "alten" Anlage nach unseren Recherchen um mehr als das Doppelte.
ca. 500 - 600 Landwirte aus einem Umkreis von 25 km uns später auch mehr sollten sich beteiligen und die Gülle vorwiegend in separierter Form zur Verfügung stellen. Allein für die Separatoren wären laut Angaben des WLV Investiionen der Landwirtschaft von mehr als 4 Mio. Euro erforderlich gewesen.
Das Investionsvolumen für das Biogaskraftwerk, das je zur Hälfte von RWE Innogy und der Landwirtschaft aufgebracht werden sollte, hätte ca. 20 Mio. Euro betragen.
Neben der Größe des geplanten Biogaskraftwerkes und die Menge der erforderlichen Substrate, war auch die Nähe zur Wohnbebauung ein Grund für uns, sofort aktiv zu werden. Der vorgesehende Standort befindet sich in einem gemischten Gewerbegebiet mit kleinen Gewerbebetrieben, Wohnhäusern und Gastronomie.
Aufgrund von Emissionen bereits vorhandener Intensivtierhaltungsbetriebe, kamen Befürchtungen dazu, dass durch Emissionen des geplanten Biogaskraftwerkes die Gesundheit der Anwohner zunehmend gefährdet wird.
Durch die Menge der Substrate wäre in unmittelbarer Umgebung mit zahlreichen Transporten und einem hohen Verkehrsaufkommen zu rechnen gewesen. Allein alle 10 Minuten würde die Anlage ganzjährig zur Anlieferung von Substraten angefahren werden und der Verkehr auf Haupt-, Durchgangs- als auch auf Nebenstraßen eine zusätzliche Gefährdung darstellen.
Die Bewohner von Südlohn befürchten insgesamt eine Einschränkung der persönlichen Lebensqualtiät und zudem einen erheblichen Wertverlust, der u.a. als Altersvorsorge gedachten Immobilien. Rasch schlossen sich aufgrund dieser Punkte viele Bewohner unserer Bürgerinitiative an, um sich gegen den Bau der Anlage zu wehren.
Es konnten viele Gemeinderatsmitglieder und auch immer mehr Landwirte in diversen Gesprächen von unseren Argumenten überzeugt werden. Die Kritik an diesem Anlagenkonzept wuchs damit auch in der Landwirtschaft.
In erster Linie befürchten viele Landwirte auch heute noch, dass die regionale Landwirtschaft immer weiter industrialisiert und daher die eigene Existenz gefährdet wird, sollten sie ihre Betriebe nicht vergrößern. Sie verspüren einen regelrechten Zwang zur Vergrößerung und damit auch ein wachsendes wirtschaftliches Risiko.
Bereits heute steigen die Pachtpreise u.a. aufgrund der großen Anzahl von Biogasanlagen im Kreis Borken an und Flächen werden zunehmend knapp.
Aufgrund eines fehlerhaften Bebauungsplanes hat die Gemeinde Südlohn eine Veränderungssperre erlassen müssen.
In Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, auch RWE Innogy und WLV, wurden Punkte für eine freiwillige Umweltverträglichkeitsprüfung erstellt und diese in ein Memorandum of Understanding zwischen Gemeinde und Investor festgeschrieben. Diese Umweltverträglichkeitsprüfung ging in Teilbereichen über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus. In diesen Prüfungen sollten drei von der Gemeinde Südlohn genannten Alternativstandorte mit einbezogen werden.
Warum RWE Innogy und WLV nun Ende 2010 den ursprünglichen Standort in Südlohn und auch kurze Zeit später die drei Alternativstandorte überraschend aufgegeben haben, können wir nur vermuten. An den Protesten der Bürger, so die Investoren direkt nach der Aufgabe, hätte es jedoch nicht gelegen.